Die Nachlassgestaltung von Ehegatten gehört seit jeher zu den klassischen Aufgaben des Erbrechts. Gerade wenn Immobilienvermögen vorhanden ist und zugleich die Versorgung des überlebenden Ehepartners sichergestellt werden soll, stehen viele Familien vor der Frage, wie sich Vermögensschutz, familiärer Frieden und steuerliche Optimierung miteinander verbinden lassen. Eine bewährte und von der Rechtsprechung anerkannte Lösung stellt das sogenannte „Württembergische Testament“ dar.
Wir beraten seit vielen Jahren Ehepaare und Familien umfassend zu dieser traditionellen Gestaltungsform und zeigen, unter welchen rechtlichen Voraussetzungen sie wirksam ist und welche Rechtsfolgen sie entfaltet.
Testamentsvollstreckung und Nießbrauch – bewährte Kombination im Ehegattentestament
Das Württembergische Testament zeichnet sich dadurch aus, dass die gemeinsamen Kinder bereits im ersten Erbfall als Erben eingesetzt werden, während der überlebende Ehegatte wirtschaftlich abgesichert wird. Dies geschieht regelmäßig durch die Einräumung eines umfassenden Nießbrauchs am Nachlass, insbesondere an Immobilien, kombiniert mit der Anordnung einer Dauertestamentsvollstreckung.
Rechtlich ist diese Gestaltung zulässig. Der überlebende Ehegatte kann zugleich Testamentsvollstrecker und Nießbrauchsberechtigter sein, sofern dies dem klar erkennbaren Willen der testierenden Ehegatten entspricht. Ein genereller Interessenkonflikt liegt darin nicht. Vielmehr dient diese Doppelstellung gerade der Umsetzung des Versorgungsgedankens, den viele Ehepaare traditionell verfolgen: Der länger lebende Ehepartner soll wirtschaftlich abgesichert bleiben und zugleich vor Konflikten mit den Kindern geschützt werden.
Rechte und Pflichten des überlebenden Ehegatten als Testamentsvollstrecker
Der überlebende Ehegatte unterliegt als Testamentsvollstrecker den allgemeinen gesetzlichen Pflichten aus den §§ 2203 ff. BGB. Maßgeblich ist insbesondere § 2216 BGB, der eine ordnungsgemäße Verwaltung verlangt. Dabei gesteht das Gesetz dem Testamentsvollstrecker einen erheblichen Ermessensspielraum zu, insbesondere bei der Verwaltung von Immobilienvermögen.
Die laufenden Erträge aus Mieten und Pachten stehen im Rahmen des Nießbrauchs nicht den Kindern, sondern dem überlebenden Ehegatten zu. Dies ist kein rechtlicher Mangel, sondern gerade Ausdruck der gewollten Versorgungsfunktion. Solange der Testamentsvollstrecker die Substanz des Nachlasses wahrt und keine groben Pflichtverletzungen begeht, besteht kein Anspruch auf Entlassung aus dem Amt gemäß § 2227 BGB.
Auch die Frage, ob der Nießbrauch bereits im Grundbuch eingetragen ist, ist rechtlich nicht zwingend entscheidend, wenn der Nießbrauch durch Vermächtnis angeordnet wurde und faktisch umgesetzt wird.
Kostenvorteile und steuerliche Aspekte des Württembergischen Modells
Neben der familiären Friedensfunktion bietet das Württembergische Testament erhebliche steuerliche Vorteile. Durch den Verzicht auf eine klassische Vor- und Nacherbschaft kann ein mehrfacher Erbfall vermieden werden. Der Nießbrauch wird als Vermächtnis ausgestaltet, wodurch sich die erbschaftsteuerliche Belastung in vielen Fällen deutlich reduziert.
Diese Gestaltung ist seit Jahrzehnten anerkannt und wird sowohl von der Rechtsprechung als auch von der Fachliteratur als steuerlich sinnvolle Alternative angesehen, insbesondere bei größerem Immobilienvermögen.
Zugewinnausgleich und Erbschein – häufige Fehler in der Praxis
Ein weiterer praxisrelevanter Punkt betrifft den Zugewinnausgleich des überlebenden Ehegatten. Macht dieser seinen Anspruch nach § 1371 Absatz 1 BGB geltend, handelt es sich rechtlich um eine vom Erblasser herrührende Verbindlichkeit. Diese ist bei der Festsetzung des Geschäftswerts für das Erbscheinsverfahren zu berücksichtigen.
In der Praxis erleben wir immer wieder, dass Nachlassgerichte diesen Anspruch unzutreffend unberücksichtigt lassen. Dabei ist der Zugewinnausgleich keine Erwerbsschuld des Ehegatten, sondern eine echte Erblasserschuld, die bereits mit dem Tod des Erblassers entsteht. Dies wirkt sich unmittelbar auf die Kosten des Erbscheinsverfahrens aus und kann für die Beteiligten erhebliche finanzielle Bedeutung haben.
Unsere Empfehlung aus erbrechtlicher Sicht
Die Gestaltung eines Ehegattentestaments sollte niemals schematisch erfolgen. Gerade das Württembergische Testament zeigt, wie wichtig eine klare, juristisch saubere Formulierung ist, um spätere Streitigkeiten zu vermeiden. Testamentsvollstreckung, Nießbrauch, Zugewinnausgleich und steuerliche Fragen greifen ineinander und müssen sorgfältig aufeinander abgestimmt werden.
Wir beraten unsere Mandantinnen und Mandanten umfassend zu allen Fragen des Ehegattentestaments, prüfen bestehende Testamente auf rechtliche Risiken und entwickeln individuelle Lösungen, die langfristig Bestand haben.
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gez. M. Peper
Fachanwältin für Erbrecht
Zertifizierte Testamentsvollstreckerin
Fachanwältin für Familienrecht
Zertifizierte Mediatorin
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